Zusammenfassung
Hintergrund
Im Jahre 2011 gab es einen Transplantationsskandal in Deutschland. In der Folge kam es zu einem drastischen Rückgang der Zahl gespendeter Organe bei erheblichem Vertrauensverlust in das Organspendesystem.
Ziel der Arbeit
Ziel dieser Studie ist die Untersuchung von Wissen, Vertrauen und expliziter Spendebereitschaft anhand eines Vergleichs zwischen Studierenden der Humanmedizin und Studierenden anderer Fachrichtungen.
Material und Methoden
Es wurde eine Facebook-gestützte Online-Umfrage durchgeführt (10.06.2013–18.07.2013, s. Zusatzmaterial online: Umfragebogen „Organspende – Find' ich gut?"). Die teilnehmenden Studenten wurden in zwei Gruppen eingeteilt, Studenten der Humanmedizin versus Studenten anderer Fachrichtungen. Anhand von Fragen und Aussagen zu verschiedenen Aspekten der Organspende wurden ein Wissens-, ein Vertrauens- und ein Angstscore ermittelt. Die Ergebnisse wurden in Bezug zur schriftlich deklarierten Bereitschaft zur Organspende in Form eines Organspendeausweises gesetzt.
Resultate
Insgesamt nahmen 2484 Teilnehmer an der Umfrage teil. 1637 Teilnehmer waren Studenten, davon 83,7 % (N = 1370) Medizinstudenten und 16,3 % (N = 267) Studenten anderer Fachrichtungen. Medizinstudenten erreichten einen höheren mittleren Wissensscore über die Organspende als Studenten anderer Fachrichtungen (4,13 vs. 3,38; p < 0,001). Sie bewerteten alle vier Vertrauensfragen positiver (mittlerer Vertrauensscore 3,94 vs. 3,33; p < 0,001) und die gestellten Fragen zur Angst geringer als die anderen Studenten (mittlerer Angstscore 1,76 vs. 2,04; p < 0,01).
Medizinstudenten hatten sich häufiger schriftlich zur Organspende entschieden als Studenten anderer Fachrichtungen (78,2 % vs. 55,2 %; p < 0,001). Die Eintragungen auf den Organspendeausweisen unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Fachrichtungen. Medizinstudenten mit unterzeichnetem Organspendeausweis hatten sowohl einen höheren Wissensscore als auch einen höheren Vertrauensscore als Medizinstudenten ohne Organspendeausweis. Im Gegensatz dazu hatten Studenten anderer Fachrichtungen mit Organspendeausweis zwar einen höheren Vertrauensscore, jedoch keinen höheren Wissensscore.
Diskussion
Das Mehr an Wissen bei den Medizinstudenten war mit einem Mehr an Vertrauen sowie mit einer höheren Rate schriftlich fixierter Entscheidungen zur Organspende assoziiert. Das Weniger an Wissen bei den Nichtmedizinern war mit einem Weniger an Vertrauen und einer niedrigeren Rate an Organspendeausweisen verknüpft. Die Nichtmediziner mit Organspendeausweis hatten bei gleichem Wissenslevel ein größeres Vertrauen in die Organspende. Wissen, Vertrauen und die Entscheidung zur Organspende scheinen also miteinander verknüpft zu sein. Wenn wenig Wissen vorhanden ist, ist das Vertrauen besonders entscheidend. Hieraus folgt, dass Organspendekampagnen auf Wissensvermittlung und Vertrauensbildung abzielen sollten.
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